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Notfall auf dem Golfplatz
Ergänzung für die Rettungskette
Den Arzt in der Tasche
Um die mögliche Lücke zwischen dem Auftreten des Notfalls und der ärztlichen Versorgung zu schließen – schließlich seien rund 55 Prozent der Menschen, die in einem Notfall helfen möchte, unsicher und wüssten nicht oder nur bedingt, was zu tun sei – hat der gebürtige Ire die App Viohealth entwickelt: eine digitale Möglichkeit, bei der man den Arzt beziehungsweise die Krankenschwester quasi immer in der Hosentasche dabei hat. Barry Fogarty zückt sein Smartphone und zeigt, wie es geht: „Du startest die App, wählst den Arzt oder die Krankenschwester mit der gewünschten Sprache aus und schon bist du per Video verbunden. Sie ordnen den Vorfall ein, um einen Notfall auszuschließen, und unterstützen fachlich und mental bei der Versorgung der verletzten oder zusammengebrochenen Person.“ Dabei ist es Fogarty wichtig zu betonen, dass seine App den Notruf 112 und die medizinische Versorgung einer Person durch den Rettungsdienst nicht ersetzen kann und möchte. Darauf weisen auch die für die Golfbags entwickelten „SOS-Tags“ hin – Anhänger für die Golftasche, die den korrekten Ablauf der Rettungskette im Notfall visuell auf den Punkt bringen: 1. 112 anrufen. 2. Viohealth starten und einen Arzt hinzuziehen. 3. Das Clubsekretariat über den Vorfall informieren. Barry Fogartys Start-up ist noch relativ jung. Aber er ist sich sicher, dass sich das Konzept flächendeckend durchsetzen wird. „Hier kann jeder soziale Verantwortung übernehmen. Miteinander, füreinander“, sagt er. „Außerdem ist Viohealth auch im privaten Umfeld nutzbar.“
Erfolgreiche Testphase
Eine Pilotphase beim Baden-Württembergischen und beim Bayerischen Golfverband sowie in verschiedenen Clubs hat gezeigt, wie groß das Interesse ist. Und so soll das Konzept nun Bestandteil des Sicherheitskonzepts bei Clubs und Verbänden werden. Dafür werden 2026 zunächst Staff und Ehrenamtliche mit den Taschenanhängern ausgestattet, die Mitglieder sollen diese in einem weiteren Schritt erhalten, so Fogarty. Zu den ersten Clubs, die die SOS-Tags bereits nutzen, zählen unter anderem der GC Schloss Elkofen, der GC Schloss Reichertshausen (Bayern), Baden Hills sowie der GC Reutlingen-Sonnenbühl (Baden-Württemberg).
Für Clubmanager und Vorstand haben die Tags sogar noch einen weiteren Effekt: „Diese Menschen repräsentieren den Club. Es geht um ihre Reputation“, sagt Fogarty. „Sie tragen das Risiko, wenn etwas passiert. Und sie sind es, die sich im Ernstfall rechtfertigen müssen, ob sie tatsächlich alles getan haben, um ein Menschenleben zu retten.“
Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen
Das Bayerische Rote Kreuz sowie das Deutsche Rote Kreuz Baden-Württemberg können auf Nachfrage den großen Erfolg der SOS-Tags mangels Erfahrung damit noch nicht bestätigen. Diese seien kein offizielles System im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Gefahrenabwehr und man stehe privaten Angeboten parallel zur offiziellen Rettungskette generell skeptisch gegenüber. Claire Kolodinski vom BRK appelliert, dass jeder seine Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig, idealerweise alle zwei Jahre, auffrischen sollte, um im Ernstfall einen kühlen Kopf zu behalten. Udo Bangerter vom DRK sieht dies ebenso und empfiehlt, das Handy auf dem Platz für den notwendigen Anruf in der Rettungsleitstelle 112 immer dabei zu haben. Golfplätze seien große Areale ohne befestigte Straßen, an denen Einsatzkräfte schnell an den Ort des Geschehens kommen müssten. Die Sanitäter freuen sich, so Bangerter, wenn sie vom Clubhaus professionell dorthin geleitet oder eventuell mit dem Cart dorthin gefahren werden.
von Dr. Marina Jung