Interview Tim Wiedemeyer
© BMW / Stefan Heigl

AUF DEM WEG ZUR PROFI-TOUR

TIM WIEDEMEYER GILT ALS EINES DER GRÖSSTEN TALENTE IM
DEUTSCHEN GOLFSPORT. SEIN TRAUM: ES AUF EINE INTERNATIONALE PROFITOUR SCHAFFEN

Für den internationalen Durchbruch studiert und trainiert der 21-jährige Münchner seit gut zwei Jahren in den USA an der Texas Tech University in Lubbock.
Zwei Jahre nach unserem ersten Gespräch mit dem Ausnahmetalent treffen wir Tim und seine Eltern, Sabine und Torsten, bei einem seiner wenigen Aufenthalte in der Heimat auf einem Münchner Weihnachtsmarkt und fragen ihn nach einer ersten Zwischenbilanz auf seinem Weg vom jugendlichen Talent zum möglichen Tour-Profi:

Tim, herzlich willkommen in München. Wie gut tut so ein Heimaturlaub nach sicher interessanten, aber auch anstrengenden Zeiten in Texas?
Das tut extrem gut. Ich freue ich mich jedes Jahr auf den Weihnachtsurlaub, den ich traditionell mit meiner Familie verbringe. Dieses Jahr ist es besonders schön, weil auch meine Freundin dabei ist, die aus Texas stammt.

In den zwei Jahren seit unserem letzten Gespräch hast Du Dich nicht nur äußerlich stark verändert. Was hat sich sonst noch verändert bei Dir?
Vor allem sportlich und mental hat sich viel getan. Ich habe 2025 sehr erfolgreich gespielt und konnte meine Leistungen konstant bestätigen. In der Herbstsaison habe ich ein großes College Turnier gewonnen, was mein Selbstvertrauen enorm gestärkt hat.

Schildere uns bitte, wie ein normaler Tag an der Texas Tech University in Lubbock bei Dir aussieht.
Der Tag ist ziemlich durchgetaktet. Morgens Uni, danach Athletik oder individuelles Training, später Technik oder Spieltraining. Abends stehen Regeneration, Analyse oder Lernen auf dem Plan. Trotzdem bleibt durchaus Zeit, sich mit Teamkollegen oder anderen Athleten zu treffen. Für mich ist es die perfekte Mischung aus Sport, akademischem Anspruch und Freizeit, auch wenn der klare Fokus auf meiner golfspielerischen Weiterentwicklung liegt.

Was unterscheidet das Training in den USA von dem in Deutschland?
In den USA ist die Rolle der Coaches etwas anders als in Deutschland. Die College-Trainer stellen ihre Teams zusammen und holen Spieler, die sportlich ins Programm passen und der Mannschaft weiterhelfen. Die langfristige individuelle Entwicklung bleibt aber bei mir selbst und bei meinem Heimtrainer Marco Schmuck, der mich regelmäßig auch in den USA vor Ort betreut.

Hast Du den Schritt in die USA zu gehen jemals bereut?
Ich habe den Schritt nie bereut. Natürlich gab es auch schwierigere Momente, vor allem im ersten Jahr. Die Golfplätze in den USA sind deutlich anspruchsvoller und anders zu spielen, daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Der enge Kontakt zu meiner Familie hilft mir sehr. Über FaceTime bleiben wir regelmäßig in Verbindung, sprechen wichtige Dinge durch und sehen uns zwischendurch auch mal. Das gibt mir viel Rückhalt.
Gibt es Facetten in Deinem Spiel, an denen Du besonders arbeitest? Worin siehst Du Deine größte Weiterentwicklung seit dem Wechsel in die USA?
Die Plätze in den USA sind extrem anspruchsvoll, vor allem durch die Härte und Geschwindigkeit der Grüns. Das Anspielen der Grüns erfordert deutlich mehr Planung als auf den weicheren Grüns in Deutschland. Deshalb ist die strategische Planung extrem wichtig. In diesem Bereich habe ich viel gearbeitet und mich verbessert. Gleichzeitig habe ich über das gesamte Jahr hinweg die Konstanz vom Tee und mit den langen Eisen weiterentwickelt.

Wie nah dran bist Du aktuell an der Pro-Karriere?
Ich habe jetzt noch rund eineinhalb Jahre am College Zeit, um mich gezielt darauf vorzubereiten, den Schritt auf die Tour zu wagen. Es gibt immer etwas zu tun, und als Golfer ist man eigentlich nie wirklich fertig.

2025 bist Du bei der BMW International Open großartiger Siebzehnter geworden. Was war das für ein Gefühl für Dich?
Die BMW International Open war etwas ganz Besonderes für mich. Nicht nur, weil ich gutes Golf gespielt habe und gemerkt habe, dass ich auf diesem Niveau mithalten kann, sondern vor allem wegen der gesamten Atmosphäre. Die deutschen Fans, Freunde vor Ort und viele Jugendliche aus den Clubs, in denen ich früher selbst gespielt habe, das war emotional sehr speziell. Zum ersten Mal in einer Pressekonferenz zu sitzen und live Fragen von Journalisten zu beantworten, war etwas völlig Neues. Daran könnte ich mich gut gewöhnen, ebenso wie an das Essen in der Players Lounge.

Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die BMW International Open 2026?
Die Amateur-Startplätze werden vom Deutschen Golfverband immer erst relativ kurzfristig vergeben. Grundlage sind die Leistungen der neuen Saison und die Weltrangliste. Im Moment sieht das sehr gut aus, aber entscheidend wird sein, meine Leistung bis dahin konstant abzurufen. Sollte ich dort spielen dürfen, würde ich mich sehr darauf freuen und hoffe, an die Leistungen von 2025 anknüpfen zu können.

Wie sieht Dein Golfplan für das Jahr 2026 insgesamt aus?
Der Golfplan besteht aus mehreren Abschnitten. Zunächst spielen wir mit Texas Tech hochkarätige College-Turniere in den USA mit dem Ziel, uns für die Nationals zu qualifizieren. Danach folgt das Summer Break in Europa mit den wichtigsten Amateurturnieren wie The Amateur Championship und der Europameisterschaft der Herren in Finnland. Dazu kommen hoffentlich Starts bei der BMW International Open und eventuell bei der Mannschafts- Europameisterschaft. Anschließend geht es zurück in die USA zur Vorbereitung auf die US Amateur, die im August im Merion Golf Club in Pennsylvania stattfindet, bevor das neue Semester mit der Herbstsaison beginnt.

Augusta National ist Dein Lieblingsgolfplatz. Ist es ein Ziel oder zumindest ein Traum, dort einmal beim Masters anzutreten?
Ich kann mich glücklich schätzen, Augusta National schon gespielt zu haben. Selbst unter normalen Bedingungen ist dieser Platz extrem anspruchsvoll. Erst vor Ort sieht man, wie stark die Grüns onduliert sind und wie anspruchsvoll das gesamte Setup ist. Für jeden Profi ist es ein Ziel, dort einmal beim Masters antreten zu dürfen. Ich werde alles dafür tun, mir diese Chance zu erarbeiten, auch wenn der Weg dorthin noch weit ist. Darüber können wir gerne mehr sprechen, wenn es so weit ist.

Das Interview führte Herbert Steffe
Interview Tim Wiedemeyer
© BMW / Stefan Heigl
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© Herbert Steffe
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