Der einfachere Test

Rund 70.000 Mal pro Jahr stellen Urologen in Deutschland die Diagnose Prostatakrebs. Doch in nur rund zwei Drittel der Fälle wird diese in einem frühen, noch gut behandelbaren Stadium gestellt. Warum die Vorsorgeuntersuchung für das Erkennen eines Karzinoms wichtig ist und welche Maßnahmen sinnvoll sind, erklärt Prof. Dr. med. Daniel C. Vergho. Er ist Urologe in den Praxen Urologie Landau und Urologie Plattling.

Herr Prof. Vergho, warum ist die Prostatakrebsvorsorge beim Mann so wichtig?
Prof. Dr. med. Daniel C. Vergho:
Die Entstehung eines Prostatakarzinoms können wir nicht verhindern. Die Früh- erkennung ermöglicht es allerdings, den Krebs frühzeitig diagnostizieren zu können. Und umso früher dieser erkannt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Gesetzlich versicherten Männern ab 45 Jahren steht die Früherkennung einmal pro Jahr zu. Diese sollten Männer unbedingt in Anspruch nehmen.

Wie sieht so eine Vorsorgeuntersuchung der Prostata aus?
Prof. Vergho:
Es gibt das klassische Arzt-Patienten-Gespräch über den aktuellen Gesundheitszustand, Ver- änderungen, Vorbelastungen, Beschwerden, Medikamente etc. Dann untersuchen wir die äußeren Geschlechtsorgane und die Lymphknoten an der Leiste nach Auffälligkeiten. Ein wichtiger Bestandteil der Früherkennung ist die digital rektale Untersuchung (DRU), also eine Tastuntersuchung, bei der der Arzt oder die Ärztin mit dem Finger die Prostata abtastet. Nach den neuesten Leitlinien soll diese Untersuchung durch einen PSA-Test innerhalb der Regelversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung ersetzt werden. Hier steht die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses noch aus.

Was ist ein PSA-Test?
Prof. Vergho:
Der PSA-Test ist ein Bluttest, der bereits seit Jahren im Rahmen der Früherkennung zum Einsatz kommt. Er weist ein prostataspezifisches Antigen (PSA) nach, das fast ausschließlich von der Prostata gebildet wird.
Prostatakrebszellen bilden davon deutlich mehr, so dass die Konzentration im Blut entsprechend höher ausfällt. Bisher läuft es so: Sollte sich im Rahmen der DRU eine Auffälligkeit zeigen, wird der PSA-Test von den gesetzlichen Kassen zur weiteren Abklärung übernommen. Für alle anderen Patienten ist der Test eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) – kostet etwa 25 bis 35 Euro. Sollte die Bestimmung des PSA-Wertes tatsächlich an die Stelle der Tastuntersuchung treten, wird je nach Höhe des PSA-Werts eine erneute Blutkontrolle in zwei beziehungsweise fünf Jahren empfohlen. Liegt der Wert über dem Normalwert und eine Kontrollbestimmung bestätigt dies, soll in Abstimmung mit dem behandelnden Urologen gegebenenfalls eine weiterfortführende Untersuchung in Form einer MRT der Prostata und gegebenenfalls einer Biopsie zur Abklärung erfolgen.

Warum ist das Ersetzen der Tastuntersuchung durch den PSA-Test so sinnvoll?
Prof. Vergho:
Studien belegen, dass man mit der Tastuntersuchung nur etwa eines von drei Prostatakarzi- nomen erkennen kann. Es gab in der Vergangenheit viele falsch-negative und auch falsch-positive Befunde. Das Verfahren ist also relativ ungenau. Der PSA-Test ist da deutlich überlegen, was die individuelle Risikoeinschätzung betrifft. Das Abtasten der Prostata ist zudem oft mit Scham besetzt und Männern unangenehm. Durch die schnelle und einfache Blut- entnahme hoffen wir, dass künftig mehr Männer das Vorsorgeangebot wahrnehmen.

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