© Manuela Drossard-Peter

der profi des grashalms

HEAD GREENKEEPER LARS CHRISTGAU

Um 5 Uhr 30 beginnt morgens der Tag von Lars Christgau (32), Head Greenkeeper beim Golf- und Land-Club Regensburg. Schließlich sollen bis 9 Uhr alle anfallenden Aufgaben, die den Golfbetrieb beeinträchtigen, erledigt sein, um das Spiel der Golfer nicht zu behindern. Dafür ist der gebürtige Regensburger bestens ausgebildet. Er hat in Schottland „Golf Course Management“ studiert und anschließend noch „Turf Science“ (Rasenwissenschaften) an der Ohio State University. Bevor er zurück nach Regensburg kam, war er zuletzt im Golfpark Rittergut Birkhof. Mit dem Wechsel zum Thiergarten schließt sich für ihn der Kreis seiner Familiengeschichte. Mit seinem achtköpfigen Team arbeitet er täglich im Einklang mit der Natur auf einem der schönsten Golfplätze Bayerns.

Herr Christgau, was macht den Golf- und Land-Club für Sie aus?
Zum einen natürlich meine Familiengeschichte, dass meine Oma hier schon Jugendwartin war und sich meine Eltern hier kennen- und lieben gelernt haben. Ich bin zwar in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen, aber wenn wir in der „alten Heimat“ Urlaub gemacht haben, waren wir auch hier im Club. Der Club ist damit auch eine Herzensangelegenheit für mich. Der Golf- und Land-Club Regensburg ist ein Ort zum Wohlfühlen – für die Angestellten und Gäste, aber auch für die Hasen, Bieber, Füchse, Maulwürfe, Bienen und Schafe. Wir haben sehr viele Tiere auf der Anlage, allerdings grasen oder leben sie abseits der Bahnen. Trotzdem müssen wir sie bei der Rasenpflege mit einplanen.

Die Rasenpflege ist eine Wissenschaft für sich. Wie sieht diese bei Ihnen im Club aus?
Zu unserem Rasen habe ich eine sehr innige Beziehung, ich nehme sogar Erdproben und schnuppere daran. Als aktiver Golfspieler habe ich einen sehr strengen Blick. Vor allem abends beim Spiel ist der Blick auf den Rasen nochmal ganz anders als am Morgen. Auf den Grüns darf der Rasen im Sommer in der Regel nur zwischen 3,2 und 4 Millimeter hoch sein, damit der Golfball präzise und möglichst widerstandsfrei rollen kann. Der kürzere Schnitt macht das Grün aber auch empfindlicher. Daher nehmen wir Saatgut, das extremem Wetter standhält. Gegen Stürme und Frost sind wir machtlos, aber gegen Nässe können wir etwas tun. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel auf der 13 ein großes Drainage- System eingebaut, da sie nach Starkregen sonst nicht bespielbar wäre. Ich vergleiche Gräser oft mit dem menschlichen Körper. Ein Kind, das viel Fast Food bekommt, hat irgendwann Probleme mit Diabetes oder dem Herz-Kreislauf. Beim Rasen ist es genauso mit Wasser und Dünger. Alles, was das Gras liebt, wirkt sich in zu großen Mengen langfristig negativ aus. Der Rasen muss sich daran gewöhnen, um auch bei trockenen Phasen mit wenig Wasser und Dünger auskommen zu können.

Welches Bewässerungssystem habt Ihr und wie wird das Wasser sparsam eingesetzt?
Ich habe eine Wetterstation in meinem Büro. Dort kann ich sehen, welche Energie Sonne und Wind aktuell haben. Damit kann ich auf den Milliliter genau evaluieren, was aus dem Boden gezogen wird.

Das versuchen wir dann wieder auszugleichen. Wir haben zwei Wasserspeicher. Der Große speichert 19.000 Kubikmeter Wasser, der kleinere im Wald 5.000 Kubikmeter. Damit sammeln wir das komplette Wasser für die Golfanlage und müssen keines aus dem Grundwasser ziehen. In Trockenzeiten limitieren wir unsere Reserven. Die Grüns bewässern wir punktuell mit Schläuchen, um nicht unnötig Wasser zu verschwenden und um sie nicht zu überwässern.

Ihr kauft kein Wasser zu?
Nein. Das Oberflächenwasser des Platzes, angrenzender Bäche, die Niederschläge und die Zuläufe aus dem Wald werden über unser Entwässerungssystem in künstlich angelegte Speicherteiche geleitet. Mein Ziel ist es, so gut es geht, mit dem Wasser zu haushalten, um in extrem trockenen Phasen so lange wie möglich damit auszukommen. Das ist zukunftsorientiert gedacht. Unsere Devise lautet: Sammeln, speichern und nur so viel zu benutzen wie nötig. Bevor das Wasser in unser Bewässerungsnetz gelangt, wird es mit einer Förderpumpe in den kleinen Weiher auf Bahn 8 gepumpt und von dort in das System des Platzes verteilt.

Die Vereinbarkeit von Golf und Natur ist dem Club ein großes Anliegen. Warum?
Unsere 18-Loch-Anlage ist rund 75 Hektar groß. Wegen der alten Bäume und der exklusiven Lage um das Jagdschloss gilt der Club als einer der schönsten bundesweit. Ein Großteil dieses Areals ist unberührte Gras-, Busch- und Waldfläche. Nur etwa drei Prozent der Anlage werden intensiv bearbeitet. Das sind in erster Linie die Abschläge und die Grüns. Dazu kommen circa 40 Prozent Spielfläche. Der Rest, also rund 60 Prozent der Gesamtfläche, steht der Natur zur Verfügung. Wir arbeiten unter anderem mit dem Landesbund für Vogelschutz zusammen, haben Nistkästen, Bienenvölker und sogar eine Fläche, die mit Schafen beweidet wird. Wir machen mit bei Naturschutzprojekten wie „Golf Biodivers“ und dem „Blühpakt Bayern“. Und der Platz ist mit dem Siegel „Golf&Natur“ in Gold ausgezeichnet. Unser natürliches Bewässungskonzept ergänzt unser Engagement für die Umwelt optimal.

Wie stehen Sie zu Mährobotern?
Grundsätzlich finde ich sie nicht schlecht. Wir haben einen an der 16 positioniert, stoßen aber mit dem Empfang an unsere Grenzen, weil ihn die großen Bäume zu sehr abschirmen. Auch die starken Hang- und Schräglagen kann der Mensch aktuell noch besser händeln. Auf freier Fläche funktioniert der Roboter aber super.

Das Interview führte:  Manuela Drossard-Peter

© Manuela Drossard-Peter
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Ein gutes Team: Beim Jubiläumsturnier des Clubs ist Lars Christgau sogar mit seinen Greenkeeper-Kollegen im Flight angetreten. © Manuela Drossard-Peter

Gezielte Beregnung
Ein Computer steuert ein komplexes unterirdisches Rohrnetz. Eine leistungsstarke Pumpe baut den nötigen Wasserdruck für die Regner auf. In der Regel wird nachts oder in den frühen Morgenstunden bewässert. Das reduziert die Verdunstung und stört den Spielbetrieb nicht. Computergesteuerte Regnerköpfe fahren automatisch aus dem Boden, um exakt festgelegte Bereiche zu wässern. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen werden nicht alle Flächen gleichmäßig gewässert. Priorität haben die Grüns und Abschläge. Fairways werden nur in sehr trockenen Phasen oder gar nicht bewässert.

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